Kapitel
4: Unternehmenskultur – The Human Asset
First Who, Then What.
(Jim Collins, US-amerikanischer Management-Guru)
Grundlage
der Unternehmenskultur sind die von allen Unternehmensmitgliedern
gemeinsam geteilten Werte und Normen. Diese sind von den einzelnen
Mitarbeitern so stark internalisiert und vertreten, dass sie in
deren Denk- und Verhaltensmuster gelebt werden. Unternehmenskultur
prägt alle wichtigen Aspekte des Unternehmens, das konkrete
Verhalten der Organisationsmitglieder, die Umgangsart von Mitarbeitern,
die gemeinschaftlich gepflegten Gewohnheiten und Sprachregelungen.
Obwohl Unternehmenskultur
als wenig erfassbar erscheint und nicht einfach zu quantifizieren
ist, haben unsere eigenen Erfahrungen sowie zahlreiche Berichte
und Studien gezeigt, dass es sich hier um einen Schlüsselfaktor
eines erfolgreichen Unternehmens handelt. Die Unternehmenskultur
in einem Industrieunternehmen prägt zum Beispiel die Kreativität
in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die Präzision
einer Engineering- und Produktionsabteilung, die Umsetzungsstärke
in der Verkaufsorganisation, die Zuverlässigkeit von Kundensupport
usw. Analog gilt dieser Umstand in allen Branchen, das heisst
für sämtliche Unternehmen. Natürlich existieren
beliebig viele verschiedene Kulturen, für jedes Vorhaben,
für jedes Unternehmen gibt es eine passende Kultur. Allen
langfristig erfolgreichen Unternehmen gemeinsam ist jedoch die
Klarheit und Ehrlichkeit der Kommunikation der gemeinsamen Werte
und Normen, denn nur dann lassen sich diese auch leben. Die (Menschen-)Führung
in einem Unternehmen hängt entscheidend von der Unternehmenskultur
ab – umgekehrt prägen die von der Unternehmensspitze
ausgestrahlten Führungsprinzipien stark die Unternehmenskultur.
Der Führungsstil der Leaders hat deshalb kohärent mit
sich selber zu sein, wobei Delegierung, Ziele und Kontrolle im
Ausgleich stehen müssen. Erfolgreiche Unternehmen scheinen
dabei nach dem Grundsatz «hart mit dem Problem, sanft mit
der Person» zu operieren. Nach diesem Grundsatz sind Person
und Problem bei der Problembewältigung zu trennen. Bei Bedarf
hilft das Coaching der Person, das Problem losgelöst zu betrachten.
Das stärkste Instrument der Unternehmensspitze, die Unternehmenskultur
nachhaltig zu prägen, ist eine strategisch durchdachte und
konsequent praktizierte Personalselektion.
Bei erfolgreichen
Unternehmen hat sich wiederholt gezeigt, dass sich die Unternehmensspitze
stark mit der Selektion ihrer Mitarbeiter befasst, im frühen
Unternehmensstadium sich sogar persönlich dieser annimmt.
Beispiel
McKinsey & Company : kompromissloser High-Potential-Raster
zur Rekrutierung nur der Besten.
Beispiel
Oft wird bei der Akquisition von kleinen Technologieunternehmen
ein hoher Preis bezahlt. Dieser ist weitestgehend im Know-how
begründet, das teils in strukturierter Form (zum Beispiel
Produkte), zum überwiegenden Teil jedoch in den Köpfen
der Mitarbeiter steckt.
Die nachhaltige
Umwandlung der Unternehmenskultur bedarf eines meistens langen
Horizonts. Hier hat eine Geschäftsleitung kurzfristig mit
der Umgestaltung der Strategie mehr Chancen. Ein wenig erfolgreiches
Unternehmen kann durch eine neue, bessere Unternehmensspitze verbessert
werden. Diese kann zum Beispiel bei Turnaround-Fällen durch
schockartige Massnahmen kurzfristig eine gewisse Änderung
der Unternehmenskultur bewirken. Das Unternehmen wird aber allein
aufgrund solcher Massnahmen selten zum nachhaltigen Star –
dazu bedarf es eines durchgängig qualifizierten Humankapitals.
Beispiel
Sergio Marchionne induzierte den erfolgreichen Turnaround von
Fiat (2004/2006) – ursprünglich als «Mission
Impossible» tituliert – primär über einen
«Kulturschock» im Management.

Kapitel
5: Unternehmensstrategie
Too much too soon; too little too late.
(anonym)
Strategie
ist die Kunst, in einer gegebenen Situation (Rahmenbedingungen,
Ressourcen usw.) bei optimalem Mitteleinsatz den besten Weg zum
Ziel zu finden.
Der Begriff
der Strategie stammt ursprünglich aus der Kriegsführung.
Dort hat die Strategie seinerzeit über Leben und Tod entschieden.
Für die Unternehmen hat die Strategie ebenfalls eine existenzielle
Bedeutung. Sie ist es vor allem, die, zusammen mit dem vorhandenen
Human Asset, über Sieg oder Niederlage entscheidet, über
Erfolg oder Misserfolg. Jedes Unternehmen hat zum Ziel, Werte
zu schaffen, Nutzen zu generieren, erfolgreich zu sein. Strategie
und Humankapital – als Formulierungs- und Umsetzungsfaktor
der Strategie – sind die zentralen Schlüsselfaktoren
für nachhaltigen Erfolg. Die Personalstrategie ist dabei
ein zentrales Element in diesem sich verstärkenden Kreisprozess
zwischen Strategie und Kultur.
Bei der Unternehmensgründung
bildet der Gründer das erste Humankapital. Dieser entwickelt
die Strategie und prägt die Kultur. Diese ursprüngliche
Einheit entwickelt sich in späteren Unternehmensphasen zu
einer Wechselwirkung zwischen Strategie und Kultur, in der das
Humankapital der Transmissionsriemen und das prägendste Element
im Unternehmen wird.
Bei der Formulierung
der Unternehmensstrategie ist einer der am häufigsten begangenen
Fehler, Daten respektive Trends lediglich zu extrapolieren, anstatt
von Zeit zu Zeit neu zu evaluieren, um neue Grenzen abzustecken
und Möglichkeiten zu ermitteln. Es gilt, zukünftige
Trends zu erkennen, auszunützen und Chancen wahrzunehmen,
insbesondere deshalb, weil durch die eigenen Möglichkeiten
zukünftige Trends (mit)gestaltet werden. Unternehmensstrategie
bedeutet somit die praktische Mitgestaltung unternehmensinterner
und unternehmensexterner Entwicklungen.
Der Businessplan,
der in Kapitel «Start-up» detaillierter in seinen
einzelnen Komponenten dargestellt ist, bildet ein zentrales Hilfsmittel
bei der Definition und Formulierung der Unternehmensstrategie
und ihrer Umsetzung. Bei Start-ups stellt der Businessplan Richtschnur
und Leitplanken dar für die unternehmerische Tätigkeit
und dient als Grundlage für die Überprüfung der
eigenen Fortschritte sowie für die weiteren Planungsrunden.
Bei reiferen Unternehmen wird dieses umfassende Dokument häufig
durch Teildokumente ersetzt. Eine klar formulierte und unbürokratisch
dokumentierte Unternehmensstrategie erweist sich jedoch immer
als notwendig. Erst durch diese Ausformulierung werden wichtige
Elemente der Strategie beziehungsweise die Aspekte ihrer Umsetzung
richtig verstanden und erfasst. Der Weg ist das Ziel.
Beispiel
Das bereits in Kapitel 3.3.1 dargelegte Beispiel von Skype als
Nachfolgegründung von Niklas Zennström, ursprünglich
Gründer der Musik-Tauschbörse KaZaA, die 2001 in den
USA von der Musikindustrie wegen Urheberrechtsverletzung verklagt
wurde. Diese Peer-to-Peer-Technologie wurde zusammen mit der Voice
over IPTechnologie zur Gründung von Skype verwendet. Hier
wurden bestehende Technologietrends (Peer-to-Peer, Voice over
IP) nicht nur zu einer neuen Kommunikationsart kombiniert, sondern
wurde ein Zukunftstrend mitgestaltet.

Abbildung
25
Der Beitrag einer guten Organisation als Erfolgsfaktor
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